Tunesien: das kleinste Land Nordafrikas

Ende 2014 beschließe ich, einen Pauschalurlaub in Tunesien zu buchen – denn, in Anbetracht der sonst eher teuren Flüge, ist dies die güntigste Variante dieses Land zu bereisen. Aufgrund der zudem Zeitpunkt eher angespannten Lage (Islamischer Staat / Terrorangriffe) erfährt Tunesien einen drastischen Rückgang von Touristen, sodass die Hotelpreise extrem niedrig sind: So zahle ich für eine Woche im schönen Port El Kantoui inklusive Halbpension im 4 Sterne Hotel nur 220 Euro! Ein wahres Schnäppchen 🙂

Port El Kantoui – in der Nebensaison

Ich fliege im Februar – inmitten der Nebensaison und sitze im Flieger als einziger junger Tourist zwischen all den langzeitreisenden Rentnern, die dem Deutschen Winter entfliehen wollen 😉 Angekommen in meinem Hotel, bin ich auch hier einer der wenigen Touristen. Lediglich ein junges Paar aus Bremen sowie ein Pärchen mittleren Alters sind in der gleichen „Kaschemme“ (4 Sterne – Landeskategorie 😉 ) untergekommen wie ich – der Rest der Gäste kommt offenbar aus Algerien und Tunesien – mir soll das recht sein 🙂

Zunächst mache ich mich auf, die Umgebung um Port El Kantoui zu erkunden. Mein erster Eindruck: sehr schön! Um den Yachthafen gibt es viele kleine Restaurants und Shops, in denen alle möglichen Souvenirs angeboten werden – für einen touristischen Ort eigentlich sehr schön – denke ich mir. 😉 Allerdings muss ich auch zugeben, dass der ganze Ort extrem künstlich wirkt – alles ist auf den Tourismus ausgelegt und die Stadt dürfte nicht viel älter als 30 Jahre sein (tatsächlich wurde sie in den 1970er Jahren ausgebaut 😉 ) …

Auf ins Getümmel – es geht nach Sousse

Sousse als attraktiv zu bewerten, wäre dann wohl doch vielleicht etwas übertrieben. Aber: Sousse hat seine Highlights. So gefällt mir ganz besonders gut die Ribat, von der man einen super Ausblick hat, während der Souk zwar interessant, aber relativ unspektakulär ist (hat man doch vielleicht mittlerweise einfach zu oft gesehen 😉 ). Weitaus spannender ist dann meine Entdeckung eines Tiermarkts auf dem allerhand exotische Tiere angeboten werden: unter anderem viele Insekten, Spinnen und Reptilien. Zudem findet zu meiner Verwunderung auch das Schlachten von Tieren hier statt: so werden aus einer Box voller Wachteln einzelne Tiere entnommen, ihnen wird die Kehle durchgeschnitten und in einer weiteren Box verbluten sie – andere Länder andere Sitten. Außerdem: Fotografieren verboten!

Ausflugspaket I : Karthago, Sidi Bou Said und Tunis

Für die Zeit während meines Aufenthalts buche ich zwei Ausflugspakete: erstens nach Karthago, Sidi Bou Said und Tunis; zweitens nach Kairouan, El Djem, Mahdia und Monastir. Um mich selbst ein wenig zu begrenzen, gehe ich lediglich auf die Highloghts ein 😉

Die erste Tour führt mich zunächst nach Karthago – und die Erwartungen sind sehr hoch. Denn schließlich waren die Punier (so wurden die Einwohner Karthagos von den Römern genannt 😉 ) einst eine bedeutende See – und Handelsmacht. Die Überreste dieses Reiches kann man sich nördlich des Zentrums von Tunis anschauen, wo bis heute Ausgrabungen stattfinden. Tatsächlich sind meine Erwartungen etwas zu hoch, denn in Karthago sieht man zwar einzelne Ruinen und Artefakte, der „Wow – Effekt“ bleibt allerdings aus. Trotzdem ist die Auseinandersetzung mit dieser Ausgrabungsstätte sehr interessant und da gegenwärtig noch auf dem gesamten Areal Arbeiten stattfinden, könnte sich ein zweiter Besuch in einigen Jahren lohnen 😉

Von Karthago geht es ein kleines Stückchen weiter in Richtung Norden: nach Sidi Bou Said. Dieser Ort gefällt mir richtig gut! 🙂 Es fühlt sich so an, als wäre man plötzlich in Griechenland: Denn nachdem man entlang zahlreicher Souvernir – und Handwerksstände einige Höhenmeter hinter sich bringt, eröffnet sich einem ein wirklich ausgezeichneter Blick!

 

Nach Karthago und Sidi Bou Said geht es zum letzten Ziel dieses Ausflugs: nach Tunis, der Hauptstadt Tunesiens. Wir werden in die Altstadt, in die Medina, gebracht, in der wir ca. 1,5 Stunden zur freien Verfügung haben. – Und wo genau werden wir hingebracht? – Richtig, zu einem Souk 😉 Ich schlendere ein wenig durch die kleinen Gassen, mache einige Fotos und setze mich am Ende in ein kleines Café und trinke tunesischen Tee – ein guter Abschluss für einen langen Tag 😉

Ausflugspaket II : El Djem, Kairouan, Mahdia und Monastir

Das Beste kommt zum Schluss, denn auf meiner zweiten Tour fahre ich zu zwei Orten, die es mir wirlich angetan haben: El Djem und Monastir, wobei es sich in beiden Fällen um historische Orte handelt. So besuchen wir in El Djem das drittgrößte Amphitheater des Römischen Reiches (nach dem Kollosseum in Rom und dem Amphitheater in Capua 😉 ). Es ist sehr gut erhalten und man kann heute noch die ehemaligen Löwengruben und Gefangenenzellen besichtigen. Eine echte Zeitreise 😉

In Monastir fahren wir hingegen zu der dort vorhandenen Festung (Ribat), welche eine der bedeutendsten Festungsanlagen entlang der tunesischen Küste darstellt. Auch dieser Ausflug lohnt sich, denn so eine gut erhaltene islamische „Ribat“, wie in Monastir, lässt sich wirklich sehen!

Zum Schluss noch ein Wort zum Müll: Tunesien ist bis jetzt mit Abstand das Land, in dem ich das Gefühl habe, dass „0“ Bewusstsein in Bezug auf Müll vorhanden ist. Verpackung und Flaschen liegen quasi überall und wirklich niemand scheint sich dafür zu interessieren – ganz im Gegenteil: Immer wieder schmeißen Landsleute ganz selbstverständlich ihren Müll auf die Straße – ein Problem, dass mit Sicherheit nicht für das Land spricht!

Dennoch empfehle ich jedem Reisenden das Land Tunesien – zumindest für ein Mal – das reicht allerdings auch schon 😉