Guatemala

„Reisen wie die Stars“

Von Belize City aus geht unsere Reise weiter nach Guatemala. Uns wurde im Vorfeld gesagt, dass die Busse recht selten fahren und schnell ausgebucht seien. Es sei sinnig, sich Tickets im Vorfeld zu kaufen. Folglich organisieren wir uns diese bereits auf Caye Caulker. In Belize City werden wir zu einem anderen Fährterminal geschickt. Offensichtlich gibt es mehrere Buscompanies. Unsere zuständige Buscompany endlich gefunden, soll es auch nun losgehen. Der nette Typ aus der Agentur offenbart uns, wir seien heute die einzigen Reisenden im Bus. Er verabschiedet sich und wir wandern mit unserem guatemalischen, ausschließlich spanisch sprechendem Busfahrer zu unserem Bus; einem großen Reisebus, sogar mit Wifi on board! Und dieser ganze, riesige Bus ist für uns allein!- Reisen wie die Stars? – Guatemala soll eines der gefährlichsten Reiseländer sein. „Gebe Acht auf dich, sei vorsichtig bei Überfahrten und wirst du ausgeraubt, übergib dein Hab und Gut, ohne dich zu wiedersetzen.“ So die Gedanken die jemandem zu Guatemala mitgegeben werden. 😉 Wie ich also in den Bus steige denke ich ganz kurz darüber nach, wie ich mich gerade fühlen sollte in dieser Konstellation ( zwei Deutsche im großen Bus alleine quer durch Guatemalas Norden) – es wäre ein leichtes uns an dieser Stelle auszurauben. Ich entscheide mich jedoch, wie so oft auf Reisen, auf die Situation und die Menschen um mich herum zu vertrauen und den Blickwinkel „Reisen wie die Stars“ einzunehmen 😉

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Bis zur Grenze fahren wir ca. zwei Stunden. Unser Busfahrer zeigt in eine Richtung, in welche wir gehen sollen, um auszureisen und über die Grenze nach Guatemala zu gelangen. Wir verlassen also unseren Bus und laufen los, ohne unser Gepäck. Zunächst einmal reisen wir aus Belize aus. Der Spaß kostet uns 40 USD, die man zu zahlen hat. tut man dies nicht, so lassen einen die Herrschaften an der Grenze auch nicht ausreisen 😉 Wir bekommen unsere Ausreisestempel und wandern in Richtung des nächsten Häuschens. Das Ganze ist wieder recht spartanisch aufgezogen und die Umgebung wirkt recht.. heruntergekommen…  Es erinnert an alles ausser an einen Grenzübergang 😉 Wir hätten die Möglichkeit, einfach ohne weiteres in Guatemala einzumaschieren, organisieren uns jedoch selbstständig unsere Stempel 😉 Täte man dies nicht, und würden die Herrschaften bei der Ausreise registrieren man habe keinen Einreisestempel, so wäre man illegal eingereist und müsste eine Strafe von 100 USD pro Kopf bezahlen. Mit dem Stempel im Gepäck laufen wir buchstäblich nach Guatemala rein. Dort kommt uns auch schon unser Busfahrer entgegen, sammelt uns ein und unsere Fahrt dauert nochmal weitere drei Stunden. Wir kommen in St. Elena an, von wo aus es zu Fuß nochmal 45 Minuten bis zu unserer Unterkunft wären. Henne und ich sind schon bedient von dem Gedanken, das Ganze mit unserem Gepäck zu laufen … Falscher Alarm! Flores` Straßen sind einfach nur zu klein für die großen Reisebusse, also werden wir in einen Pickup umgeparkt und erreichen 10 Minuten später unser Ziel.

„Welcome to Flores!“

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Flores ist eine wirklich schöne Stadt, welche durch eine Brücke mit St. Elena verbunden wird und auf der Insel „San Andrés“ liegt. Wir gestehen ,,wir haben anderes erwartet“ und sind absolut positiv überrascht! Wir haben uns Guatemala viel heruntergekommener vorgestellt (was es an anderen Stellen auch ist!). Flores erinnert an Südeuropäische Städte, ist anders, hat aber Ähnlichkeiten.

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Wir nehmen uns einen kompletten Tag, um Flores in aller Ruhe zu erkunden. Die Stadt ist klein, bunt, lebendig und wird durch eine schöne Landschaft unterstrichen. Auch die Menschen, welchen wir hier begegnen, sind mehr als freundlich. Schön ist es auch an der Promenade. Hier werden am Abend 3-4 Streetfoodstände aufgebaut, welche sehr reich auftischen. Interessant ist, dass es sich hier sehr wahrscheinlich um Hausfrauen handelt, die den ganzen Tag in der Küche verbringen müssen, um das alles zu kochen: Über verschiedene Hauptmahlzeiten wir Tacos, Burritos, Hühnerröllchen in Teig, in Blätter eingekochter, gefüllter Teig, eine Art Brot , gefüllt mit Fleisch und bedeckt mit Guacemole, oder oder, aber auch Nachtisch von kleinen Puddings, verschiedenen Kuchen bishin zur selbstgemachten Limonade – Wahnsinn! Und das Ganze bekommt man an jedem Stand – für einen Appel und ein Ei! So lecker!

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Der obere Teil Guatemalas, so auch Flores, ist erst seit wenigen Jahren an den Rest des Landes angebunden. Daraus resultiert, dass sich die komplette obere Region verstärkt an den oberen Nachbarländern, also Mexiko und Belize, orientiert hat, als an Guatemala selbst. Hinzu befindet sich hier grossflächig Regenwald, in welchem sich auch Tikal, eine der ältesten und bedeutensten Mayastädte befindet. Flores wird häufig als Destination angepeilt, um Tikal zu bereisen. Ähnlich waren auch unsere Gründe für den Besuch Flores und auch wir erkundeten Tikal, was nachzulesen ist im Blogeintrag „Tikal- unsere kleine- große Dschungelexpedition“.

Das bisschen Zeit, welches uns in Flores noch bleibt nutzen wir, um mit einem der kleinen Boote über den „Petén- Itzá- See“ zu fahren zum anderen Ufer. Die Überfahrt dauert 5  Minuten . Dort angekommen gehen wir spazieren und genießen die Atmosphäre. Wir suchen einen Aussichtsturm, von welchem man aus tolle Bilder von Flores machen können soll und wo wildlebende Affen seien sollen. Wir laufen und laufen, machen unterwegs bereits tolle Bilder, finden jedoch leider nicht den Aussichtsturm und nachdem ich von (ungelogen) ca. 15-20 weiteren Mücken gestochen wurde und auf diese eine übelste allergische Reaktion erlebe beschließen wir umzukehren… Dennoch, das, was wir zu sehen bekamen war es alleine wert, hier rüber zu fahren.

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„Abschließend lässt sich behaupten, so rümpft die Nase und spitzt die Ohren…“

Guatemala? – Anfänglich hatten wir wirklich Respekt vor einer Reise in ein Land wie dieses. Wir haben uns viel belesen und in diesem Kontext viel Negatives zu lesen bekommen, wie oben in Ansätzen beschrieben. Die große Überschrift könnte lauten: „Gefährlich!“ Unsere eigene Erfahrung, sowie aber auch die Berichte anderer zeigte jedoch Gegenteiliges. Ja, natürlich gibt es auch in Guatemala „die Ecken und die Ecken“ und ein gesunder Menschenverstand sowie gewisse Verhaltensregeln sollte man einhalten – das sollte man jedoch überall. Doch erlebten wir weder die Transferfahrten, noch die Umgebung um Flores als unsicher und gefährlich. Reisende, welchen wir unterwegs begegnet sind, sagten: “ Man sollte keine Angst haben, sondern den Begriff „Angst“ mit dem Begriff „Respekt“ austauschen.“ Wir haben uns an keiner Stelle unbehaglich gefühlt. Im Gegenteil, ich für meinen Teil habe mich ein wenig verliebt! Leider hatten wir zu wenig Zeit für dieses Land. Während unserer Gespräche mit anderen Reisenden und durch eigene Recherchen haben wir herausgefunden, dass es in Guatemala noch soviel mehr gibt, was es zukünftig zu entdecken gibt. Da wäre zum Beispiel „Semuc Champey“, ein großes, wohl sehr beeindruckendes Naturschutzgebiet im Landesinneren sowie „Antigua“, eine sehenswerte Stadt mit verschiedenen (aktiven) Vulkanen, welche man erklimmen kann. Guatemala hat uns überzeugt und wenn ich etwas mitnehme ist es, dass sich Mut und eigene Erfahrungen bezahlt machen (hätten wir uns verängstigen lassen hätten wir wirklich etwas verpasst) aber auch, dass Guatemala wunderschöne Plätze zu bieten hat und eine Reise absolut wert ist.- Habe keine Angst, habe Respekt! So kurz die Zeit auch war, so bildet Guatemala ein klares Highlight unserer Reise und eines steht fest, wir kommen definitiv wieder!

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