Welcome to Lake Toba – der indonesischen Schweiz

Lake Toba bildet von Anfang an für uns eines von drei Zielen auf Sumatra, denn während wir von Ort zu Ort reisen hören wir so viel Gutes über diese Gegend. Viele erzählen uns, dass sie am liebsten eine ganze Woche geblieben wären oder das sie definitiv nochmal zum Lake Toba reisen werden. Wir sind schon sehr gespannt und planen, grob 5-6 Tage am Lake Toba zu verbringen.

„Wie es nun einmal mit Plänen ist – Ein kleiner Exkurs“

Leider macht uns meine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. 😉 Wir ernähren uns auf unseren Reisen seit eh und je sehr viel von den Straßenständen. Es ist immer preisgünstig und sehr lecker. Und wenn nicht hier, wo findet man dann wirklich gute regionale Küche? In Berastagi gehen wir am ersten Abend in einem kleinen Straßenladen essen. Im Großen und Ganzen liebe ich meinen Magen, denn auf Reisen ist er einer meiner resistentesten Begleiter überhaupt. In diesem Fall ist es jedoch so, dass man mich ab vier Stunden nach dem Abendbrot leider komplett vergessen kann. Ich verbringe die folgenden 36 Stunden mit regelmäßigen Gängen ins Badezimmer und schlafen, schlafen und nochmals schlafen. Am ersten Abend stellt Henne dann fest, dass ich an die 40 Grad Fieber bekommen habe. Auch nicht sehr typisch für mich, auch nicht sehr ideal auf Reisen. Kurzum zusammen fassend: Der Spaß kostet mich 2,5 Tage gar nichts können und ab Tag 3 einigermaßen, mit Hängen und Würgen,wieder lebensfähig zu sein. So etwas passiert auf Reisen, doch so wurden aus 5-6 Tagen Lake Toba mal eben zwei Tage.

„Ein echt langer Tag“

Nachdem wir unsere Vulkantour beendet haben (nachzulesen in unserem Blogeintrag „Sonnenaufgang auf einem Vulkan„) werden wir nach einer 30 minütigen Pause von unserem Fahrer wieder eingesammelt. Wir werden nun als nächstes in ein traditionelles, indonesisches Dorf gebracht. Im Grunde genommen handelt es sich um ein ganz normales Dorf, durch welches wir durchwandern. Was man merkt, ist die Armut der Menschen. Teilweise leben bis zu 8 Familien in einem Haus. Allerdings ist sich das nicht vorzustellen wie bei uns. Jede der Familien bekommt ca. 2 Quadratmeter Fläche, auf welcher sie mit Decken auf dem Boden leben. Auch wenn ich solche Fakten eigentlich weiß, das zu sehen ist ungemein beklemmend…. Wir wollen hier keine Fotos machen und die Menschen, die sich aktuell in diesem Haus befinden, nicht wie die „Affen im Zoo“ betrachten.

Als nächstes fahren wir zu einem Wasserfall. Hier beginnt auch die Gegend rund um den Lake Toba. Wir genießen hier wunderbare Ausblicke, auch wenn sich meine Gesundheit an dieser Stelle leider wieder total verabschiedet. Dennoch, der Ort ist wundervoll!

IMG_8014IMG_8022IMG_7976

Wir werden nun zum ehemaligen Königspalast gebracht. „Königspalast“- irgendwie empfinde ich es als nicht sonderlich erstrebenswert, hier König zu sein. 😉 Es handelt sich um eine große Holzhütte. Ja, wow! Selbst ich als „nicht Königin“ lebe besser! Die Informationen unseres Guides machen es nicht besser. Er ist bestimmt im Grunde genommen ein netter Mensch, nur geht er mir gewaltig auf den Wecker! Bereits bei der Vulkantour konnten wir uns gefühlt tausende abfällige Kommentare über Frauen anhören: Wie teuer Frauen in der Haltung sind, dass man eher stirbt um so mehr Frauen man heiratet, bla bla bla. Im ernst, ich weiß, dass das Frauenbild hier sowas von scheiße ist und Henne musste mich einige Male besänftigen, dass ich eine europäische Frau bin und das „für mich ja nicht gilt“ – Aber genug ist genug!  😉 Bereits bei der Vulkantour am morgen setzte ich bereits nach Spruch 20 zum Angriff an, musste diesen jedoch leider abbrechen. Ich bin so kraftlos heute. Und jeder der mich kennt, hat ungefähr eine Idee darüber, welch ein Glück unser Guide heute hat, dass ich wie ein gesundheitlich angeschlagener Kakadu heute unterwegs bin. 😀 Zurück zum Königshaus. Folgende Informationen erhalten wir also hier von unserem sexistischen Guide: Der König hatte 12 Frauen. Der König hockt den ganzen Tag in seinem Kabuff, klopft mit seinem Holzstab an dem Holz und eine Frau nach der Nächsten wandert in sein Kabuff damit der König Spaß hat. Danach wird er massiert, ist ja anstrengend den ganzen Tag zu ****. Zzgl. weitere abfällige Kommentare über Frauen, die nun mal nur dazu da sind, den einen Zweck zu erfüllen. Ich gebe alles was in Kraft in mir übrig ist und versuche, jede Form von Verachtung über meine Augen zu verdeutlichen.

Oben zu sehen: Die „Bordellbaracke“ des Königs

„Total verspätet – Here we are!“

In Parapat angekommen, verabschieden wir uns von unserem Guide und kommen dann endlich nach einem langen (für mich gefühlten ewigen) Tag am Lake Toba an. Um diese kleine gemütliche Insel erreichen zu können, fährt man mit einer Fähre ca. 1 Stunde von Parapat. Leider ist es schon sehr spät und dunkel. Also genießen wir noch unglaublich leckere, mittlerweile echt vermisste Bratkartoffeln und gehen heute, noch immer gesundheitsbedingt, früh ins Bett.

„Good morning Seaside“

Unser Guesthouse, genauer genommen unser Zimmer, befindet sich direkt am See. Was ein toller Ausblick, als wir morgens aufstehen und direkt auf den See blicken. Die Insel wirkt in sich sehr modern und und irgendwie westlich, gleichzeitig jedoch ein absolut entspanntes „Islandflair“ – inmitten von Indonesien! Wüssten wir es nicht besser, so könnte man vermuten an einem See in der Schweiz zu stehen. Wir bewegen uns heute nur in einer kleinen Runde in unserer Umgebung herum und erkunden diese.

IMG_8059 (2)

IMG_8070 (2)

„Rollersession in der indonesischen Schweiz“

An unserem zweiten, und somit letzten Tag hier, leihen wir uns einen Roller aus, um den Süden der Insel zu erkunden. Henne macht den Start mit dem Fahren – und los geht’s! Wir fahren durch kleine, süße Landschaften hindurch und genießen Eindrücke vom indonesischen Kleinstadtflair.
Vor uns erstreckt sich eine wunderschöne Landschaft; schöne Felder, Wälder und Berge. Wir fahren an Kühen vorbei welche links und rechts am Straßenrand stehen, teilweise auch auf der Straße, welche wir dann mit der Hupe vertreiben müssen. Untermalen wird das Gesamtbild von dem See, an dessen Küste wir überwiegend entlangfahren. Malerisch schön!

„Roller fahren und ich – eine ganz spezielle Liebe“

Vom Hunger getrieben planen wir, nach ca. 5 Stunden wieder zu unserem Guesthouse zu fahren. Mittlerweile habe ich das „Ruder in die Hand genommen“ und bringe uns über teils gut befahrbare Straßen und teils Schotterpisten zurück Richtung Guesthouse.
Meine Freundin Kristina sagt, dass mit mir und dem Roller fahren sei so eine Sache. Irgendwie scheint zwischen mir und einem Roller eine unglaublich innige Beziehung zu bestehen, sodass ich gar nicht anders kann als eine Rollerfahrt nur mit Narben zu beenden. – Irgendwie trifft sie es damit ganz gut auf den Punkt. 😉 Die ersten 1,5 Stunden habe ich noch tierischen Spaß am Fahren, auch wenn ich vor einigen Kurven wirklich Respekt hatte. Man sollte wissen, dass unser gemieteter Roller in Deutschland definitiv keinen TÜV bekommen hätte. Die Bremsen arbeiten nämlich nur so semi gut. Eine Zeitlang verläuft die Straße überwiegend gerade aus und es kommen nur ganz leichte Kurven. Ich glaube auch bereits vom Berg runter zu sein. Plötzlich erstreckt sich vor mir eine wirklich steile und scharfe Kurve. Ich gehe in die Bremse (ich fahre zu dem Zeitpunkt ca. 40-45kmh?), doch es passiert nichts. Die Bremse haftet nicht. In dem Moment bekomme ich angst und realisiere, dass ich definitiv nicht diese Kurve schaffen werde – und so ist es auch – ich breche aus der Kurve aus und komme in den Gegenverkehr. Vom Gegenverkehr aus gelange ich auf eine kleine Schotterpiste, sich vorzustellen wie ein Seitenstreifen. Dahinter kommt nur noch der Abhang. Ich drücke beide Bremsen durch und wir stürzen mit ca. 10-15kmh. Ich bin unter Schock und mache, was Frauen in dem Moment unter Schock machen – weinen und mich 50 Mal entschuldigen. Henne, welcher vollkommen okay ist (er hat nicht einen Kratzer abbekommen! Unglaublich!!) und ein indonesischer Mann, welcher angekommen ist, checken erst mal meine Verletzungen ab, und richten und testen den Roller. Wir lehnen dankend das Angebot ab, mich zum Arzt zu bringen und Henne fährt mich zum Guesthouse zurück. Ich habe viele Schrammen an meiner linken Körperhälfte und an meiner rechten Hand, alle scheinen recht oberflächlich, bis auf mein Knie. Die Wunde dort scheint sehr tief.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

„Exkurs 2.0 diese Woche – auf ins Krankenhaus“

Nach langem Wiedersetzen von mir und einigen Versuchen, die Wunde selbstständig zu reinigen, beschließen Henne, ein Mann aus unserem Guesthouse und weniger ich, dass der Gang ins Krankenhaus unerlässlich ist. Das „Dorfkrankenhaus“ ist sehr interessant. Es handelt sich um 4-5 Räume, welche mit dem nötigsten ausgestattet sind, aber es erscheint alles sauber! Die Ärztin und ihre Helferin widmen sich meinem offenen Knie. Von unserem Rollerunfall 2014 weiß ich, was für höllische Schmerzen die Reinigung solcher Wunden bedeutet und bin dankbar um die Schmerzspritze, die ich bekomme, bevor sie sich um meine Wunde kümmert. Am Ende werde ich genäht, bekomme Antibiotika mit und zahle 8€ für den ganzen Spaß. Ich nehme meinen gefühlt mehr leidenden Freund als ich an die Hand und wir fahren zurück zum Guesthouse. Nun aber – Bratkartoffeln wir kommen!

„2 Tage Lake Toba“

Unser abschließendes Resümee über Lake Toba wird ausführlicher in unserem Reisebericht zu Sumatra geschrieben sein. Dennoch möchte ich auch an dieser Stelle nochmal betonen, dass auch wir hier zwei erlebnisreiche und schöne Tage verlebt haben. Ob es hätten wirklich 5-6 Tage sein müssen, würden wir für uns mal in Frage stellen, auch im vergleich zu allem anderen, was wir momentan zu sehen bekommen. Dennoch ist der Lake Toba ein Ort, den man auf Sumatra definitiv nicht verpassen sollte. Es ist wirklich schwer vorstellbar, dass diese Insel tatsächlich zu Asien gehört.

IMG_8071

 

 


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s