Rio Lagartos und die Flamingos bei den Los Colorados

Über einige Recherche sind wir auf die „Los Colorados“ gestoßen. Dabei handelt es sich um sehr salzhaltige Wasserbecken, welche bedingt durch den hohen Salzgehalt pink seien sollen. Die Fotos im Internet begeistern und wir beschliessen uns das persönlich angucken zu wollen. Die Los Colorados sind gar nicht so simple zu erreichen, wie manch ein anderer Ort auf der Yucatanhalbinsel. Wir müssen einen Bus bis nach Rio Lagartos nehmen. Von dort aus haben wir laut Worldwideweb die Möglichkeit, mit einem Bus weiter bis zu den Los Colorados zu fahren. Wir buchen uns in Rio Lagartos in das günstigste der nur acht gelisteten Hotels ein und versuchen in Merida herauszufinden, wie unsere theoretischen Buspläne in die Praxis umgesetzt werden können. Wir laufen zu unserem altbekannten ADO- Busterminal. Diese können uns leider nicht mit einer Fahrt nach Rio Lagartos dienen, verweisen uns jedoch auf „Noreste“, einer weiteren Buscompany. Bei Noreste angekommen werden uns zwei Optionen angeboten: Zum einen der 1. Klasse Bus, welcher 1x täglich um 17.30h fährt, 225 Peso kostet und eine Fahrtzeit von 3 Stunden hat, zum anderen der 2. Klasse Bus, welcher 3x täglich fährt, der Erste bereits morgens um 9.00Uhr, 160 Peso kostet, allerdings eine Fahrtzeit von fünf Stunden hat. Wir entscheiden uns für die Holzklasse 😉 . Letzlich zieht doch das Argument der Kosten sowie die Tatsache, bereits nachmittags um 2.00 Uhr anzukommen anstatt um 20:30h abends.

„Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist schön! 😉 „

Der Bus startet pünktlich um 9:00Uhr. Tatsächlich hätten wir es vom Bus her, sowie dessen Zustand, schlimmer erwartet, als es letzlich war (2. Klasse im Ausland ist nicht wirklich mit der 2. Klasse in Deutschland gleichzusetzen!). Unser Bus hatte zwar keine TV´s, keine Toilette, die Sitze waren etwas abgenudelter als die Sitze aus dem ADO Bus, und der Bus hielt überall, WIRKLICH ÜBERALL! Wir erfahren, dass Einheimische diese Busse „Milchbusse“ nennen, unter Reisenden bekannt als „Chickenbusse“. 😉 Die Klimaanlage arbeitet auf Hochtouren und wir sind ganz froh, als wir fünf Stunden später in Rio Lagartos aussteigen dürfen.  Dennoch, die Fahrt war absolut in Ordnung und wenn man genug Zeit hat kann ich die Fahrt mit der Holzklasse von Noreste uneingeschränkt empfehlen! 😉

„Willkommen in Rio Lagartos“

Angekommen in Rio Lagartos werden wir von einem Mann in Empfang genommen, welchen wir zunächst für jemandem aus unserem Hotel halten. Auf dem Weg zu diesem stellt sich jedoch heraus, dass der Herr ein Tourguide ist und uns aufgesammelt hat, da er von dem Hotel erfahren hat, dass wir heute ankommen. Der Touguide hat wohl seine Chance gewittert und versucht uns noch auf dem Weg zum Hotel, die für Rio Lagartos typische „Flamingotour“ zu verkaufen. “ Wir bringen kurz euer Gepäck weg und 10 Minuten später seid ihr direkt auf dem Boot“. Äh, ne, nicht ganz so. Der Liebe dachte ein wenig zu optimistisch- und zu euphorisch ;). Bei unserem Hotel angekommen werden wir von einem kompletten Komitee in Empfang genommen: Vor unserem Zimmer stehen die Hotelbesitzer ( ein Ehepaar), nun der Tourguide und 3 weitere Reisende, welche die Tour machen wollen und quasi vor unserem Hotel geparkt wurden. Sie mussten wohl abwarten, da mit uns ja noch zwei weitere potentielle Kunden angereist sind. Unglaublich! Der Tourguide fängt an auf uns einzureden, wir sollen doch jetzt die Tour machen, das sei das beste Angebot, blablabla. Na sowas können wir ja haben! Nicht mal angekommen und von allen Seiten belagert und zugesabbelt werden. Wir lehnen die Tour dankend, und irgendwann wehement ab und der Tourguide wandert, inklusive Touristen, von dannen. Er verabschiedet sich mit den Worten: “ Ich komme in 10 Minuten wieder! Dann erzähle ich euch welche Touren ihr wann machen könnt! Ich bin der Günstigste!“ (Und offensichtlich nur Vermittler, wenn er gleich wiederkommen kann 😉 ). – Neee, danke echt nicht! Wir packen unser Gepäck ins Zimmer und genießen kurz die Ruhe- Atmen!

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„Und so kamen sie alle um die Ecke geschossen“

Rio Lagartos ist klein, wirklich klein! So klein, dass auf dem Weg zu einem Kiosk, 10 Minuten nach dem Einchecken, uns erstmal wieder dieser olle Tourvermittler entgegen kommt. Wir winken ihn ab. Unser Hotelbesitzer fährt mit de Auto an uns vorbei: Er habe heute Geburtstag und anlässlich diesen findet am Ort X ein Barbecue statt. Wir seien herzlich eingeladen, jetzt sofort natürlich. – Ein sehr liebes Angebot, wir wollen dennoch erstmal unsere Cola trinken und würden dann nachkommen 😉 .  Fünf Minuten später kommt uns der Peruaner entgegen, mit dem wir mit dem Bus angereist sind. Er und sein Sohn wollen die Flamingotour in einer Stunde machen. Diese zahle man pro Boot, ob wir mitmachen wollen. Puuuh, zu diesem Zeitpunkt sind wir gerade mal 30 Minuten im Ort?! Wir verabreden, uns in einer Stunde zu treffen. Wir wollen in der Zeit überlegen, ob wir dabei sind oder nicht und würden dann Bescheid geben. Aber erstmal bitte, bitte eine Cola trinken und durchatmen!

Eine Stunde später, und nun deutlich mehr zur Ruhe gekommen, treffen wir uns mit dem Peruaner und seinem Sohn wieder. In der Zwischenzeit haben Henne und ich abgewogen. Fakt ist, wir haben nur Summe x vor Ort. Fakt ist auch, in Rio Lagartos gibt es keinen ATM, also kein zusätzliches Geld. Die Flamingotour zahlt man pro Boot, es ist also klug sich die Summe zu teilen. In der Tour enthalten sind: eine Vogelsafari, das Bootfahren durch die Mangroven, die Flamingos, Los Colorados und eine Mayaschlammkur. So das Paket, 800 Peso pro Boot, durch vier Personen also 200 Peso each.  Wir beschliessen, sollten uns die Los Colorados so gut gefallen, dann fahren wir einfach am Folgetag nochmal mit dem Bus hin. Wir geben also unser „go“ für die Tour und wir vier wandern zu dem Bootssteg.

„Die berühmt, berüchtigte Flamingotour“

Wir fahren mit dem Boot aufs Wasser hinaus in Richtung der Mangrovenwälder. Hier in dieser Gegend sollen sehr viele Vögel heimisch sein. Leider scheint unser Guide sich an diesen bereits ein wenig satt gesehen zu haben und diese als „nichts besonderes“ zu bewerten, sodass wir an einigen Vögeln, welche wir sehr wohl länger hätten beobachten und fotografieren wollen, vorbeifahren. Bei einigen Federtieren halten wir jedoch an und schöne Bilder entstehen.

 

Wir gelangen zu einer Sandbucht, auf welcher unzählige Pelikane entspannen. Wie ich finde ein sehr tolles Bild. Es macht Spaß sie zu beobachten.

 

Wir kommen an den ersten Flamingos vorbei. Flamingos sind generell sehr scheue Tiere. Es dauert also leider nicht lange, bis diese davon flattern, kurz nachdem sie nur unser Boot gehört haben. Unser Guide verspricht uns jedoch, dass wir gleich bei den Los Colorados noch ganz viele von ihnen sehen werden- und so sollte es auch kommen. 😉

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„Die Los Colorados und kiloweise Flamingoexkremente“

Wir stoppen mit dem Boot. Wir sind wohl bei den Los Colorados angekommen. Zunächst einmal müssen wir jedoch durch das Wasser, und in Folge durch, kein Scherz, absolut stinkende Flamingoscheisse wandern (man sinkt in diese bestimmt einen halben Meter ein). Wir wandern über einen kleinen Hügel und vor uns erstrecken sich die Los Colorados- die wunderschönen, pinken Seenplatten.

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„Wie war das noch? Mehr „Schein als Sein““

Warte mal. Wem fällt es auf? Richtig! Hier ist gar nichts pink!! Ja, wir befinden uns in der Regenzeit und das macht ein wenig was aus. Aber eben auch nur ein wenig! Also, liebe Menschen da draußen! Ich habe absolut kein Problem mit Fotobearbeitungsprogrammen, nutze sie selbst hier oder da und weiß, dass heutzutage kaum noch ein Foto unbearbeitet ist. ABER! Die Los Colorados entsprechen in Realität bei weitem nicht dem, was bei Google zu finden ist. Absolute Verarsche! Ich wollte unbedingt wegen den Bildern und Beiträgen, die ich im Vorfeld sah und las, hierher. Und bekam  dann… das. Danke auch an Google und alle Blogger, die so tun, als wenn die Los Colorados und Rio Lagartos der schönste Ort Mexikos wären. Nein, keiner zwingt euch beim Reisen absolut jeden Ort heftig toll zu finden! Bleibt ehrlich! Das macht es authentisch! Wir können nun in jedem Fall nachvollziehen, warum uns die Einheimischen mit verdutzten Blicken beäugeln, als wir ihnen erzählten, „wir wollen unbedingt zu den Los Colorados“. “ Why? It´s boring there“ Really??

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Was es hier allerdings wirklich in Massen gibt sind Flamingos! Wir erfreuen uns an diesen und machen ein paar Fotos, ehe auch diese wegfliegen.

 

„Der berühmte Mayaschlamm“

Unser nächster Stop ist eine kleine Sandbucht. Hier soll es eine Mayaschlammkur für uns geben. Ob diese wirklich die alten Maya genutzt haben weiß ich nicht, aber so oder so weiß jeder, dass Schlamm sehr mineralhaltig und somit gesund ist. 😉  Wir entblössen uns also bis auf den Bikini und beschmieren unsere freien Körperstellen mit dem Schlamm. Ob ich das Gefühl so toll finden soll… Da bin ich mir sehr unschlüssig 😉 . In jedem Fall ist es eine Erfahrung und ich glaube einfach mal an die heilende Kraft 😉

In Folge fahren wir direkt in Richtung Steg zurück und duschen dort die mitlerweile hart gewordene Mayapampe ab.

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„Sightseeing im Fischerdörfchen“

Am Abend wandern wir an der Promenade entlang, pünktlich zum Sonnenuntergang. Die Sonne umhüllt das Fischerdörfchen und alles sieht so friedlich und ruhig aus, ein bisschen rustikal, als wenn die Zeit stehen geblieben wäre.

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Am Folgetag beschliessen wir, unsere Pläne, mit dem Bus zu den Los Colorados zu fahren, zu canceln. Letztlich hat uns der Tag zuvor dort doch gereicht. 😉 . Wir laufen durch Rio Lagartos und begutachten den Ort nochmal genauer. Es hat Charme, ist aber sehr klein und binnen von einer Stunde abgelaufen. Es gestaltet sich echt schwer, hier irgendwas Gescheites zu Essen zu finden, abgesehen von den Restaurants an der Promenade. Die Situation erinnert im Entferntesten irgendwie an Kuba ;). Auch hier ist das Yucatan Festival angekommen. Wir kommen also in den Genuss auch hier typische, mexikanische Tänze bestaunen zu dürfen. Hier sogar nochmal irgendwie gesondert schön, da die Stadt sehr klein ist und man sich hierfür auf dem Marktplatz, wo ein großes Basketballfeld ist, trifft.

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„Abschliessend lässt sich behaupten, so rümpft die Nasen und spitzt die Ohren…“

Unser Fazit: Kann man mal machen.. 😉 . Rio Lagartos ist ist ein uriges Fischerdörfchen mit Charme. Es ist schön durch die Straßen zu schlendern und die Menschen in ihrem täglichen Leben zu beobachten. Die Promenade lässt sich sehen, auch wenn das Wasser nicht sehr sauber ist und einige Ecken doch recht zugemüllt erscheinen. Die Los Colorados lasse ich mal ohne viele Worte stehen. Bestimmt erscheint das Gesamtbild ausserhalb der Regenzeit ein wenig anders, aber eben nur ein wenig. Wir waren enttäuscht davon und ich denke, dass die anderen pinken Seen dieser Welt, so zum Beispiel der pinke See im Westen Australiens, mehr zu bieten haben. Auch die Flamingotour war okay. Viele der Vögel, welche wir gesehen haben, sahen wir bereits in Florida. Darüber hinaus in einer größeren Vielfalt. Die Flamingos waren schon sehr cool. Aber ob die für mich einen Grund bilden würden extra nach Rio Lagartos zu fahren stelle ich mal so dahin. Die Mayakur hat uns Spaß gemacht. Das war für uns beide mal etwas Neues. Für einen kurzen Trip kann man die Ecke allemal machen. Dafür reicht ein Tag jedoch komplett aus.


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