Und dann kamen Roberto und Ismaelvis- Der kleine kubanisch- deutsche Austausch

Sancti Spiritus überrascht nicht nur in typischer, kubanischer Schönheit (genaueres ist in unserem Reisebericht über Kuba zu lesen, welcher ganz bald folgt). Hier haben wir eine dieser Begegnungen mit Kubanern, welche uns die immer wieder beschriebene Herzlichkeit der Kubaner wiederspiegelt.

„Sallut Allemania!Sallut Cuba!“

Wir beschliessen, während wir Sancti Spiritus erkunden, durch einige Souvenirshops zu stöbern. So betreten wir einen weiteren Shop, in welchem wir von einem sehr netten Kubaner angesprochen werden, welcher sich uns als Roberto vorstellt. Roberto macht keine typischen Verkaufsannoncen. Man merkt schnell, dass Roberto einfach auf ein nettes Gespräch aus ist und es genießt, mit vielen Menschen in Kontakt zu treten. Hinzu scheint Roberto der „internationale Austausch“ mit Touristen zu faszinieren. Wir bleiben jedoch nicht zu Dritt, denn nach kurzer Zeit stößt Ismaelvis zu uns, ein Freund von Robertos Sohn. Roberto lädt uns auf eine Flasche kubanischen Wein ein. Derweil erfahren wir unglaublich viel über Land und Leute. Beide Männer zeigen uns anhand von Bildern Auszüge aus ihren Leben, mitunter ihre Häuser und ganz stolz ihre Kinder und ihre Frauen. Ismaelvis erzählt uns von seiner beruflichen Laufbahn (er war mal Clown, nun arbeitet er als Klempner) und Roberto berichtet von seinem Chef (welchem der Shop gehört) und dass dieser ein kleiner „Geldknochen“ ist. Ausserdem zeigt uns Roberto ganz stolz seine Münzsammlung (er sammelt internationales Geld). Roberto schenkt uns einen Holzelefanten als kleines Andenken.

20170520_122930
Henne, Roberto und ich im Souvenirshop

„Ich verdiene 20-24 Stückchen Seife im Monat, und du?“

Gleichzeitig sind beide Männer sehr interessiert an den Lebensumständen in Deutschland, sodass zu den Unterschieden zum Leben in Deutschland/ auf Kuba ein weiterer, reger Austausch stattfindet. Ehrlich gesagt erzählen wir recht beschämt und antworten bei dem Vergleich nur auf deren Fragen, denn wenn man weiß, dass man es in so vielen Punkten einfach so gut hat und das Leben deines Gegenübers viel schwerer ist, wer erzählt da noch voller stolz “ ich verdiene das hundertsechszigfache, voll toll!“ Wir erfahren von den beiden, dass Roberto 12 CUC monatlich verdient (ein kubanischer Topverdiener, den Tourismus ausgeschlossen, also beispielsweise ein Arzt verdient moantlich ca. 60 CUC). Umgerechnet ist 1 CUC ca. 1Euro. In Relation dazu erfahren wir, dass ein Stück Seife ca. 50ct bis 1CUC kostet. Bedeutet, Roberto kann sich, wenn es gut läuft, 24 Stücke Seife leisten. Ein Arzt auf Kuba immerhin 120 Stücke. Rechnet mal aus, wieviele Stücke Seife ihr euch monatlich kaufen könnt..

„Kuba hat endlich Internet- aber vermutlich zensiert“

Generell sind die Lebensunterhaltungskosten auf Kuba sehr teuer. Beide erzählen, dass das Leben hier nicht leicht ist, willkommen im Sozialismus, willkommen in einem armen Land. Dass sich Kuba verändert, das bestätigen sie uns auch. Immerhin gibt es nun Internet, für ca. 3-5 CUC, ein paar Stunden. Der Umkehrschluss ist, dass sich das nun wirklich nicht jeder leisten kann. Ismaelvis berichtet, Google sei nicht wirklich zugänglich (zensiert?), aber die sozialen Netzwerke, also Facebook, das klappe richtig gut! Ismaelvis vergleiche jedoch über Facebook auch, wie andere leben, also wir anderen, Amerikaner, Deutsche und Co. Ismaelvis vergleicht den Lebensstandard anderer oft mit seinem eigenem, was zu viel Unmut gegenüber dem eigenem System führt. Nachdem der erste Wein geköpft ist werden wir gefragt ob wir noch einen weiteren Wein möchten. Henne und ich beschließen, kurz zur Casa zurück zu gehen, um uns kurz zu organisieren, aber in wenigen Minuten wieder zu kommen.

„Plötzlich standen wir auf der VIP-Liste- nur für uns geöffnet“

Und nach 15 Minuten stehen wir wieder im Souvenirshop, mit uns im Gepäck ein paar Münzen für Roberto und ein paar Stückchen Seife für beide (die Seife hatte ich für schlechte Zeiten in den Hotels in den USA zusammengesammelt. So tat sie also ihr Gutes 😉 ). Beide freuen sich und bedanken sich sehr bei uns. Robertos Sohn führt in Sancti Spiritus ein kleines Cafe. Folglich bittet Roberto Ismaelvis, uns dieses zu zeigen. Gesagt, getan. Wir schlendern zu Dritt durch die Gassen von Sancti Spiritus und Ismaelvis öffnet nur für uns das Cafe (während wir dort sind kommen einige Kubaner vorbei die Ismaelvis alle vertröstend wegschickt „es ist geschlossen“). Wir genießen sehr leckeren Tamarind- und Ananassaft, selbstgemacht versteht sich. Ausserdem bestaunen wir Robertos ausländische Geldsammlung, die es echt schon in sich hat! Ich frage Henne, ob Roberto wohl bewusst ist, welchen Wert sein kleines Hobby hat? 😉

20170520_142955
Robertos beeindruckende Geldsammlung

20170520_142947

„Die Sprache des Herzens braucht keinen Dollmetscher, lediglich einen Googletranslater“ 😉

Ismaelvis spricht kein Englisch und unser Spanisch lässt zu Wünschen übrig. Dennoch, mit Händen und Füßen und dem super Googletranslator klappt Kommunikation gut und so kommt es, dass wir noch ca. 2 Stunden mit Ismaelvis quatschend im Kaffee stehen und über Gott und die Welt reden. In Folge dessen geht es zurück in den Shop zu Roberto. Henne und ich bedanken und bei den zwei Männern zutiefst für die tollen Stunden. Roberto und Ismaelvis bilden einen großen Beitrag, warum Sancti Spiritus für uns ein magischer, typischer, kubanischer Ort ist.

20170520_143113
spanische Sprichwörter im Cafe

„Und die Moral von der Geschicht…“

Ismaelvis und Roberto haben uns beide so herzlich empfangen ohne irgendwas von uns zu verlangen. Sie begegnen uns so offen und wertschätzend, und wenn auch wir hier oder da sehr vorsichtig antworten auf die Fragen über Deutschland, so nahmen es beide mit einem gewissen Humor und eigenen Fragen gegenüber dem eigenen System. Sie geben uns jedoch in keinster Weise das Gefühl, zu viel zu besitzen, sondern scheinen zu gönnen und sich selbst zu wünschen, dass sich was verändert. Und so rar einige Güter doch sind, dennoch teilen sie mit uns den Wein und versuchen uns, mit sämtlichen Dingen aus dem Cafe, ob Saft, Snacks, oder oder , zu verwöhnen. Natürlich sollte man nicht komplett von der Hand in den Mund leben( das tun die beiden Herren auch nicht, so mein Eindruck), aber hier, heute, zählt der Moment mehr als gestern oder morgen und es schwingen viele Werte und interessante Einstellungen durch die Luft, wie man das Leben betrachten kann.

Ich finde das sehr beeindruckend und überlege, wie unsere eigene Mentalität, die Deutschen, ticken…

20170520_143526
Auch im Cafe entdeckt, symbolisierend, sei kein… 😉

 


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s