Von Miami nach Port Canaveral

Wir starten nach unseren ersten 4 Tagen von Miami Beach in Richtung Airport, um dort unseren Mietwagen abzuholen. Kurz nachdem wir uns am Schalter anmelden und „schlucken“, dass wir 10 $ pro Tag an Maut zahlen sollen, nehmen wir unseren ersten Toyota Yaris in Empfang – ein kleines Auto passend für 2 Personen: ziemlich unamerikanisch 😉

Amerikanisch ist hingegen der Zustand des Autos: Der komplette Boden hängt herunter und augenscheinlich hatte der Toyota schon mehrere ungewollte Kontakte mit anderen Autos 😉 Dementsprechend geht es zurück zum Schalter zwecks Beschwerde, worauf wir folgende Antwort erhalten: „They will not charge you – just take some pictures of everything!“ Nachdem ich mich bereits damit zufrieden gebe bleibt Nicole hartnäckig, sodass wir den nagelneuen Toyota Yaris bekommen, der zufälligerweise nur 2 Parkplätze neben unserem steht – Hartnäckigkeit zahlt sich also aus 😉

Auf nach West Palm Beach

Um zunächst ein Gefühl für unser neues Auto zu bekommen, „cruisen“ wir zunächst durch Miami. Damit wir nicht ziellos umher fahren, setzen wir uns zwei Ziele: Litlle Havanna und Little Haiti 🙂 Ehrlich gesagt können wir allerdings direkt festhalten, dass uns beide Ziele nicht vom Hocker hauen: in Little Havanna ist alles spanisch/ kubanisch (erkennt man vor allem an den vielen Restaurants 😉 ) während Little Haiti haitianisch ist – ja, richtig! Die Frage hätte ich auch gestellt : Woran erkennt man bitte „haitianisch“? 😉 In unserem Fall erkennt man haitianisch an den Voodoo Shops sowie an dem Schild : „Welcome to Little Haiti“. Ja Mensch….

Creepy Couchsurfing – unsere erste Erfahrung

Nachdem wir noch einen kurzen Abstecher im Oleta State Park machen, ist unser nächstes Ziel West Palm Beach, um dort bei „Krusty“ (Name geändert 😉 ) auf der Couch zu schlafen. Im Vorfeld wurde alles über die Couchsurfing Plattform arrangiert: Ankunftszeit, „Couch“, Adresse und Handynummern. Wir fahren gegen 8 Uhr abends in einen kleinen typischen amerikanischen Vorort – es macht alles einen überdurchschnittlich guten Eindruck. Krusty wohnt offenbar in einem großen Haus: 3 Autos und ein Motorrad stehen vor seiner Tür, ein Boot in seinem Garten, welcher pratischerweise direkt am Wasser liegt. Wir klingeln und werden zunächst von einem bellenden Hund (mittelgroßer Mischling – hört auf „Dunk“) begrüßt, bevor Krusty uns öffnet, die Hand gibt und hinein bittet. Als wir eintreten, stehen wir direkt im Wohnzimmer was wir aufgrund der dort vorhandenen 9 Couches erst etwas später realisieren. 😉 Wir gehen mit Krusty und Dunk in die Küche, in der zwei weitere männliche Personen sitzen: Jayjay (ca. 70 Jahre alt – wirkt stark alkoholisiert) und Alexander, der auf den ersten Blick sehr nett erscheint. Skurrile Konstellation denken wir, aber nun gut 😉

Wir fangen an uns zu unterhalten. Wir erzählen, was wir vorhaben (Weltreise 😉 ), während unsere drei Gastgeber ihrerseits einige Geschichten erzählen: So reiste Krusty beispielsweise in den 90er Jahren nach Venezuela (es beginnt eine kleine Diskussion über Hugo Chavez), Jayjay fährt gerne Motorrad (sowie ich 😉 ) und Alexander startet gerade in ein neues Leben. Alles soweit relativ interessant 😉

Wäre da nicht dieses komische Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. : die vielen Sofas, die extreme Unordung (z.B. ein kleiner Weihnachtsbaum in der Küche, Golfbälle auf dem Esstisch, Krümel und Staub überall) – so viele kleine Dinge passen einfach nicht. Und dann ist es die Art und Weise: Krusty erscheint sehr apathisch – man hat das Gefühl er sei nicht wirklich da. Jayjay redet zwar, aber durch sein „Lallen“ und die Auswahl seiner Themen vermittelt auch er ein komisches Gefühl – Okay, es bleibt ja noch der 20 Jahre alte Alexander. So konzentrieren wir uns auf ihn… 😉

Alexander sagte am Anfang, er möchte sein Leben neu organisieren – dies sei der Grund, warum er seit einigen Wochen reise und schließlich bei Krusty auf der Couch hängen geblieben sei. Super Story um ein Gespräch zu starten 😉 Also frage ich ihn, was er vor hat: Studium, Job oder erstmal weiterreisen? – Alexander antwortet, er möchte ‚alles‘ machen! Punkt. Keine weiteren Infos. Okay, ich frage ihn, wo er bis jetzt gewesen sei, schließlich reist er seit einigen Wochen/ Monaten – Alexander antwortet, er lebe seit 4 Wochen auf einer der Couches – komisch, wir sehen kein Gepäck. Sein Ziel seien allerdings die Everglades, er wüsste aber nicht, wie man dorthin kommt. Ich frage ihn nach Bus und Bahn – er wüsste allerdings nicht ob das geht…

Unsere Menschenkenntnis: die Alarmglocken läuten

Das Problem ist, man merkt, dass die Geschichte nicht stimmig ist. Er reist – war aber noch nirgends. Er lebt auf der Couch – hat aber kein Gepäck. Er will sein Leben neu gestalten – hat aber keine Idee wie. Er will in die Everglades – weiß aber nicht wie man dahin kommt. Hier sollte man erwähnen, dass die Everglades nur eine Stunde entfernt sind und 3 Autos vor der Tür stehen…..

Nicole und ich beschließen, unser Gepäck zu holen. Wir gehen vor die Tür zu unserem Auto und beraten uns: Wir kommen innerhalb einer Minute zu folgendem Ergebnis: Wir wollen hier nicht schlafen – Unabhängig voneinander hatten wir die gleichen Gedanken: Wir werden bestimmt betäubt, geschlachtet und zu Wurst verarbeitet. Die ganze Situation erinnert an „Wrong Turn“ oder an „Haus der 1000 Leichen“ – ich gehe zurück ins Haus und gebe allen Dreien die Hand und verabschiede mich mit der Begründung: „Meiner Freundin geht es nicht gut, wir gehen besser ins Hotel.“ Ich ernte drei verständnisvolle Blicke und wir fahren von der Auffahrt los….

Nachdem wir 2 Stunden über die gesamte Situation nachdenken, verbringen wir die Nacht auf einer Raststätte….


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